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Zur Geschichte der Postkarte

 

Der Erfinder der illustrierten Postkarte ist bis heute umstritten. Vermutlich fand sie erste Vorbilder in den weit verbreiteten Bilderbögen und privat gedruckten Postkar­ten, die in Frankreich bereits im 18. Jahrhundert und in den Vereinigten Staaten von Amerika am Anfang der 1860er Jahre aufkamen. Wenn der Erfinder auch nicht feststeht, die Verbreitung der staatlichen Postkarte in Europa und die folgende weltweite Verbreitung begannen mit den Initiativen Heinrich von Stephans und Vincent Freiherr von Maly von Vevanovičs. Als Generalpostdirektor des Nord­deutschen Bundes führte Heinrich von Stephan, nach einem ersten vergeblichen Versuch 1865, im Jahr 1870 die Postkarten in den meisten deutschen Gebieten ein. Unabhängig davon hatte der Post- und Telegraphiedirektor Vincent Freiherr von Maly von Vevanovič auf Vorschlag des Ökonomen Emanuel Herrmann die Postkarten bereits 1869 unter dem Namen „Correspondenz-Karte“ in Österreich-Ungarn einge­führt. Von dort aus verbreitete sie sich über die ganze Welt. In nur wenigen Jahren führten immer mehr Länder die Postkarten ein, so Großbritannien 1870, Russland 1872, die USA und Frankreich 1873. Mit ihrer standardisierten Größe von 8,5 x 12,2 cm war sie um fast 2/3 billiger als ein Brief.

Im Deutsch- Französischen Krieg 1870/71 war das Versenden von Postkarten für die deutschen Soldaten sogar kostenlos. So verschickten die Soldaten in diesen Zeitraum mehr als 10 Millionen Karten in die Heimat. In den folgenden Jahren steigerte sich die Anzahl der verschickten Postkarten jährlich.

Zuerst konnten sie jedoch nur innerhalb des eigenen Landes verschickt werden. Bilaterale Abkommen zwischen den Staaten und schließlich die Einführung der Weltpostkarte 1875 - durch den dafür extra gegründeten Weltpostverein - machte die Karte zu einem weltweiten Phänomen. Zugleich begann die Sammelleidenschaft, die Philokartie, für die verschiedenen Arten von Postkarten. Ansichtskarten, Bildpost­karten, Karten mit gezackten Rand, Antwortkarten, Ganzsachenpostkarten mit eigenem Wertzeichen oder ab dem Jahr 1900 Karten mit Fotodrucken füllten und füllen noch heute ganze Schränke. Zunächst musste sich die Abbildung aber noch den Platz mit dem vom Verfasser geschriebenen Text teilen. Einzig die Adresse schmückte die Rückseite. Ab 1905 verschickte man Postkarten in der heutigen Form, bei denen Text und Adresse sich eine Seite teilen.

Das „Goldene Zeitalter“ der Postkarten reichte von 1885 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918. Milliarden von Postkarten wurden in diesem Zeitraum jährlich verschickt. Dazu trug bei, dass die Post in größeren Städten wie etwa Berlin bis zu fünf Mal am Tag gebracht wurde und kurze Nachrichten den Empfänger noch am selben Tag erreichten.

Die Bilder spielten bei den ersten Postkarten noch eine untergeordnete Rolle, sollten sie doch ausschließlich die billigere und schnellere Variante eines Briefes sein. Doch mit zunehmender Verbreitung und Verbesserung der Drucktechniken nahm der Anteil an illustrierten Postkarten zu. Waren zuerst noch Bilder von Firmen und Sehenswür­digkeiten vertreten, entwickelte sich ab 1875 die Ansichtskarte, die verschiedene Szenen, Gebäude oder Personen zeigte. Die Verleger erweiterten die Themen stetig. Um die Jahrhundertwende konnten neben Ansichtskarten mit Stadtansichten, Scherzpostkarten, Urlaubskarten, Karten mit Szenen aus dem Volksleben und Straßenszenen, Karikaturen, Gruß- und Glückwunschkarten sowie Erotica auch Karten mit aktuellen Bezügen wie Naturkatastrophen, Treffen von Politikern und Bildnissen der Fürsten und Kaiserfamilien erworben werden. Serien von Posthäusern aus der ganzen Welt, Trachten oder Wirtshäuser sollten die Sammelleidenschaft anheizen und machten die Postkarte zum Sammelobjekt.

 

Katharina Krause

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