Die Postkarte stellt für Wissenschaftler verschiedenster Fachgebiete ein interessantes Forschungsobjekt dar. Nicht nur die Karte selbst, sondern auch Adressaten und Empfänger, Verleger und Verlagsort sowie die Texte der Karte bilden dabei einen möglichen Untersuchungsgegenstand. Fragestellungen wie die nach der Rolle der Postkarten bei der symbolischen Konstruktion von Landschaften werden nun von Wissenschaftlern behandelt, und vor allem im Bereich der Geschichts-und Kulturwissenschaften sind sie ergiebige Quellen für zeitgenössische Entwicklungen. Als Bildträger, die sich sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum bewegen, haben Postkarten Wahrnehmungsgewohnheiten beeinflusst und mitunter Vorstellungen von Landschaften erzeugt, welche die „reale“ Landschaft in der Wahrnehmung verdrängt haben (Stichwort „Postkartenidyll“).

Die in Größe, Form und Gestaltung standardisierten Postkarten fügten exotische und fremde Eindrücke in strukturell genormte Formen. Zudem waren sie klein, handlich und für die Massen erschwinglich. Als solches bot sich das Medium Postkarte gerade im ausgehenden 19. Jahrhundert für eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten an.

In dem Zeitraum zwischen 1885 und 1918 wurden Milliarden von Karten verschickt und vor allem die beliebten Bildpostkarten einem ständigen Strom von Beeinflussungen aller Seiten ausgesetzt. Die Postkarte besaß eine Vielzahl von Funktionen. Diente sie am Anfang hauptsächlich dazu kurze Texte innerhalb kurzer Zeit zu versenden, wurde sie bald ein wichtiges Werbemittel: Ortschaften, Gegenden, Regionen, Ausflugsziele, Bauwerke, Personen, politische Ansichten oder besondere Ereignisse wurden mit der Postkarte beworben.

Im Kontext der Nationalitätenkonflikte waren Postkarten aber auch nicht frei von nationaler Symbolik. Durch die Abbildung bestimmter Ereignisse, Personen oder Orte wurde eine Verbindung zur eigenen Nation hergestellt und durch das Verschicken ins Ausland auch Auswärtigen demonstriert.

Mit Abbildungen, wie etwa der russischen Zarenfamilie, bot sich der breiten Masse fernab der Stadtzentren die Möglichkeit, ein Bild des Zaren zu erhalten und ihm so nahe zu sein. Die Postkarte erweiterte dabei den visuellen Horizont der Empfänger oder Sammler und bot die Chance die eigene Welt zu vergrößern.

Zugleich entwickelte sich die Postkarte besonders in den Weltkriegen zu einem Propa­gandamittel. Politische und ideologische Bebilderungen fanden neben anderen Medien auch durch das Massenmedium Postkarte eine weite Verbreitung.

So entstanden Propagandakarten, die sich in verschiedene Themenkreise einteilen lassen.[1]


Katharina Krause

[1]           Ich folge hierbei dem Schema aus: Politik und Bild. Die Postkarte als Medium der Propaganda. Katalog zur Ausstellung, Hamburg 1994. S. 22-62.