Eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Postkarte in Russland spielte die Gemeinde der heiligen Eugenia[1]. Diese Gemeinde, bekannt auch als „Roter-Kreuz-Verlag“, wurde beim „Sankt Petersburger Komitee der Fürsorge über die Schwestern der Barmherzigkeit des Roten Kreuzes“ gegründet, mit dem Ziel, Hilfeleistungen für Krankenschwestern der Barmherzigkeit (auch solche im Ruhestand) zu erbringen. Diese Gemeinde stand unter dem Schutz von Prinzessin Eugenia von Oldenburg, die eine Enkelin Nikolajs I. war.

 

Die Prinzessin hatte vorgeschlagen, die Herausgabe von Briefumschlägen und Postkarten (offene Briefe) voranzubringen, mit dem Ziel, den Erlös des Postkartenverkaufs in den Fiskus der Gemeinde fließen zu lassen.

 

Die Auflage der ersten vier Postkarten wurde vom Verlag im Jahr 1898 zu Ostern herausgegeben. Die Briefumschläge hatten eine sehr schlichte Gestaltung: Das Rote-Kreuz-Zeichen und die Aufschrift „Für die Gratulations­karten. Zugunsten der Gemeinde der heiligen Eugenia“. Im selben Jahr wurden weitere zehn Postkarten mit den Aquarellen von berühmten Malern wie Repin und Makovskij  herausgegeben. Zwei Auflagen dieser Postkarten (jeweils 10.000 Stück) wurden im Nu verkauft, weshalb es eine weitere Auflage dieser vier Karten gab.

 

Oft wurden die Auflagen in Form eines Sets in kunstvoll gestalteten Umschlägen mit der Aufschrift „Zugunsten des Fürsorge-Komitees der Schwestern des Rotes Kreuzes“ verbreitet.

 

Der Verlag der Gemeinde arbeitete mit vielen berühmten Malern dieser Zeit zusammen. Insgesamt hat der Verlag der heiligen Eugenia 6.410 Postkartentypen mit einer Auflage von über 30 Millionen Exemplaren herausgegeben. Die Postkarten gaben die besten Werke russischer und ausländischer Malerei wieder sowie 3.000 Sehenswürdigkeiten von 200 Orten der Welt. Viele Motive widmeten sich den bedeutendsten Ereignissen der russischen Gesellschaft.

 

Ab 1896 gab die Gemeinde illustrierte Postkarten heraus, bei denen die Reproduktion von – insbesondere russischen – Kunstwerken eine große Rolle spielte. Diese ergab dann nicht nur die erfolgreichste Quelle für Spendenmittel, sondern machte sich auch im kulturellen Leben Russlands am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts bemerkbar. 1903 wurde es der Gemeinde gestattet, die Postkarten in öffentlichen Verkaufsstellen des Roten Kreuzes sowie auf vielen Bahnhöfen und Häfen in ganz Russland anzubieten.

 

Von einigen Postkarten gab es Auflagen von bis zu 10.000 Exemplaren, von welchen wiederum manche noch bis zu sechs weitere Folge-Auflagen erzielten. Die Gesamtzahl der herausgegebenen, qualitativ sehr hochwertigen Postkarten betrug während der 20jährigen Existenz der Gemeinde seit 1898 mehr als 30 Millionen Exemplare.

 

Die Druckproduktion der Gemeinde wurde mit verschiedenen Auszeichnungen sowohl in Russland als auch in Europa prämiert.

 

Olga Sokolinskaya