Das Bild der Propagandakarte  hat die Aufgabe, die persönliche Anwesenheit des Abgebildeten zu ersetzen. Gerade die Abbildungen als Profilkopf, Doppelportrait oder Ganzfigurenbildnis sind die Motive einer anlassorientierten Darstellung, wie Feiern oder Ehrungen. Das Bild vermittelt so öffentliche Präsenz, besonders zu historischen Feiern und Anlässen. Zusätzlich konnten die Herrscherbildnisse durch Allegorien, Symbole oder Denkmäler kommentiert werden.

 

Geläufigste Arten sind dabei die Ausschmückung durch Wappen, Insignien oder Symbole, die die Macht und Würde des Porträtierten unterstützen. Eine weitere Form ist, den Abgebildeten durch die ihm zugeschrieben Charaktereigen­schaften darzustellen. Dies konnte und wurde, wie alle Formen der verwendeten Propaganda, von den vermeintlichen Feinden negativ bewertet werden. So musste sich Wilhelm II. auf französischen Karten als Wildschwein erblicken, während andere Postkarten Kopfportraits zeigten, die mit Ereignissen der Amtszeit bebildert waren.

 

Eine andere Gruppe von Bildern enthält überzeichnete Darstellungen meist toter Persönlichkeiten. Sie werden in überhöhten, mythischen Dimensionen dargestellt und dienen dabei als Gegenstand der Verehrung durch die Nation und Drohung gegenüber den Feinden.

 

Die Aneinanderreihung von familiären und politischen Ahnen ist ein weiterer beliebter Topos. Der Amtsinhaber stellt sich damit in geistige und genealogische Reihe mit seinen Vor­gängern und überträgt deren Ansehen und Handeln auf sich. Zugleich wird die eigene Herr­schaft legitimiert.

 

Die diesen Topoi zugeordnete Herrschermetaphorik stellt die Persönlichkeiten oft in den mythologischen oder historischen Kontext antiker Götter und Helden. Die Postkarten zeigten die Herrscher etwa in heroischen Positionen im Kampf gegen die Feinde. So wurde Wilhelm II. auf italienischen Postkarten als Kaiser Nero dargestellt, um dessen Großmachtbe­strebungen mit Neros Wahnsinn zu vergleichen.

 

Katharina Krause