Eine Postkarten-Reise ins Zarenreich

Die Ausstellung wurde im Oktober und November 2011 in der Universitätsbibliothek der CAU Kiel präsentiert. (Presse und Bilder zur Eröffnung der Ausstellung am 10.10.2011)

 

Was wollen wir erreichen, wenn wir eine Karte „Liebe Grüße aus …“ abschicken? Möchten wir damit sagen: „Ich bin noch da!“ oder „Guck mal, wo ich bin, und wie gut es mir geht“? Wenn es nur so wäre, warum gehen Empfänger solcher Karten mit ihnen so sorgfältig um? Zuerst gelangen sie an die Pinnwand, schmücken den Spiegel oder den Kühlschrank, dann werden sie mehr oder weniger sorgsam in einem Schuhkarton oder einem speziellen Kasten aufbewahrt. Manchmal verzieren sie auch als Erinnerungsstück ein Album.

Warum aber druckt man E-Mails nicht aus, faltet und legt sie mit einem romantischen Band dekoriert in einen Karton, um sie einige Monate oder Jahre später wieder her­vorzuholen und sich sanften Erinnerungen hinzugeben? Denn oft steht schließlich auch in elektronischen Sendungen „Liebe Grüße…“. Fehlen ihnen die schönen An­sichten oder einfach nur die „richtige“ Gestaltung oder die „richtige“ - und nicht fast anonyme - Adresse? Oder fehlt einfach alles, - alles das, was das Phänomen „Post­karte“ anscheinend ausmacht und deren Empfängern das Gefühl vermittelt, an einem wichtigen, einmaligen Prozess teilzuhaben?

Die neuen Medien haben Telegramme und Briefe fast vollständig abgelöst. Mit den Postkarten hatten sie weniger Erfolg: Die „Lieben Grüße aus…“ haben immer noch einen großen Anteil am traditionellen Postverkehr. Warum das so ist, hoffen die Organisatoren der Postkartenausstellung „Liebe Grüße aus Moskau. Eine Postkarten-Reise ins Zarenreich“ durch die Betrachtung des „Lebenslaufs“ der Post­karte, ihrer Entstehung und Entwicklung deutlich machen zu können. Zugleich eröffnet diese Reise in die Vergangenheit Russlands einen anderen, vielfältigen Blick auf eine Kultur, die vielen von uns nur aus Geschichtsbüchern bekannt ist.

 

Seit dem Frühjahr 2011 hat sich eine Arbeitsgruppe von Studierenden des Historischen Seminars (Abteilung Osteuropäische Geschichte) und des Instituts für Slavistik der CAU zu Kiel mit Fragen zum Phänomen „Postkarte“ auseinandergesetzt. Arbeitsgrundlage war eine umfangreiche Sammlung russischer Postkarten, die um das Jahr 1900 verschickt wurden und die in der Ausstellung zu sehen sein werden.

Die Ergebnisse der studentischen Arbeit werden im Folgenden in einzelnen Ab­schnitten präsentiert:

 

 

Teil 1: Geschichte, Gestaltung und Funktionen der Postkarte

 

Einleitung

Russland um 1900

Zur Geschichte der Postkarte

Postkarten als historische Quelle

Das Bild

Bildhaftes

Gesten

Stereotype

Stereotype über Russland und seine Bevölkerung 

Die Gemeinde der heiligen Eugenia

Quellen


Teil 2: Beschreibung der Postkarten*

 

Postkarten zu den Gruppen Mittel- bzw. Zentralasien und Ansichten Sibiriens

Postkarten zu den Gruppen St. Petersburg und Moskau

Postkarten der Gruppe Wolgatypen

Postkarten der Gruppe Typen Asien

Postkarten der Gruppe Typen Ethnien

Postkarten der Gruppe Komponisten / Theater

Postkarten der Gruppe Zarenfamilie

Postkarten der Gruppe Wirtschaftswesen

Postkarten der Gruppe Werbung

Postkarten der Gruppe Typen Russlands

Postkarten zu den Gruppen Stadtansichten und Wohlfahrt

Postkarten der Gruppe Turkestan

 

Die beschriebene Postkartengeschichte

 

Kommentare der Ausstellungsbesucher

 

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*Besitzer der Postkarten: Historisches Seminar der Universität Basel, Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte